Der Vermesser (Aufsatz eines kanadischen Schülers)

Ein Vermesser ist etwas, das im Wald herumkriecht und nach kleinen Pfählen und Steinen Ausschau hält. Wenn er sie gefunden hat, veranstaltet er eine Art irren Tanz um sie mit einer verrückt aussehenden, dreibeinigen Krücke, an die er sich anlehnt und die er hin und wieder anschaut.

Wenn er die Pfähle nicht findet, läuft er den ganzen Tag herum als sei er verirrt. Manchmal sieht man die Vermesser, plattgefahren von Autos, an der Straße liegen, vor allem im Sommer, wenn all die Verrückten auch draußen sind.

Ein Vermesser hat ein großes Auge und ein kleines, zusammengekniffenes. Er läuft meist vornübergebeugt, was ihn auch immer so verträumt aussehen läßt. Sein Gesicht sieht aus wie Leder. Er flucht furchtbar. Er kann nicht lesen, da er immer etwas zwischen verschiedenen Gegenständen mißt, dann schreibt er eine Zahl auf, in einem kleinen Buch, die verschieden ist von dem, was auf seiner kleinen Karte steht. Er misst immer zu einem Pfahl oder Stein, bleibt kurz zuvor stehen und setzt einen anderen Pfahl oder Stein ein.

Er ist nicht allzu klug, weil er immer Zeichen auf Bürgersteigen und Straßen macht, damit er seinen Weg zurück findet. Seine Hosen sind immer verschlissen vom Salz der Steine und seine Schuhe sehen aus, als ob sie aus Schlamm gemacht seien. Die Leute starren ihn an, Hunde hetzen ihn und er sieht immer heruntergekommen aus.

Ich weiß nicht warum überhaupt irgend jemand Vermesser sein will.

Aus: The Canadian Surveyor, No.5, December 1970
In Deutschland veröffentlicht in: Allgemeine Vermessungs-Nachrichten 9/1971